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Muslimische Kriegsgefangene in brandenburgischen Lagern / Военнопленные-мусульмане в лагерях земли Бранденбург.
31.10.1997 в газете "Тагесшпигель", издаваемой в Берлине, Вольфганг Шванитц опубликовал рецензию на книгу Герхарда Хёппа "Мусульмане в маркграфстве Бранденбург – военнопленные в лагерях Вюнсдорфа и Цоссена в 1914 – 1924 гг.". Название рецензии звучит зловеще – в особенности после трагедии 11-го сентября 2001 года, планы которой вынашивались арабскими террористами, как оказалось, и на немецкой земле – "Святая война, сделано в Германии". Текст рецензии выдержан, однако, в спокойных и дружественных по отношению к мусульманам тонах, что объясняется, кроме всего прочего, и непредвзятым характером освещения событий в самой рецензируемой книге. Приводим текст рецензии на немецком (умлауты заменены сочетанием букв по образцу "ое").
"Heiliger Krieg" made in Germany: Muslimische Kriegsgefangene in brandenburgischen Lagern
VON WOLFGANG G. SCHWANITZ
Gerhard Hoepp: Muslime in der Mark als Kriegsgefangene und Internierte in Wuensdorf und Zossen, 1914-1924.
Verlag Das Arabische Buch, Berlin 1997. 221 S. 48 DM.
Im Ersten Weltkrieg haben wohl mehr als eine Million Afrikaner und Asiaten auf Europas Kriegsschauplaetzen gekaempft. Was wissen wir ueber sie? Dem ging ein Berliner Arabist und Islamwissenschaftler nach. Gerhard Hoepp zeigt Schicksale muslimischer Kriegsgefangener, die in deutschen Sonderlagern suedlich von Berlin bei Wuensdorf und Zossen lebten. Fuer ein Jahrzehnt bildete sich dort so etwas wie eine islamische Gemeinde, trefflich illustriert durch Fotos mit Untertiteln wie "Der persische Gesandte in Wuensdorf", "Der Iman leitet das gemeinsame Gebet", "Betende Gefangene im Halbmondlager", "Das Minarett im Weinberglager" oder "Das Tatarendenkmal".
Damit wurde Neuland bestellt. Wohl gestaltete Margot Kahleyss im Vorjahr fuer das Berliner Museum fuer Voelkerkunde eine Fotoausstellung ueber muslimische Kriegsgefangene in Brandenburg, doch geht es hier in einer weiteren Perspektive um Beziehungen zwischen dem Islam und Europa. Der Leser erfaehrt zur Vorgeschichte von Muslimen in der Region, dass sie seit dem 9. Jahrundert zunaechst aus dem andalusischen Spanien das uebrige Europa zu entdecken begannen. Erstmals habe Kurfuerst Friedrich Wilhelm Mitte 1670 einen tatarischen Gesandten in Berlin empfangen. Seine Kurfuerstliche Durchlaucht hoerte freundliche Gruesse von Tatar Chan auf Tuerkisch, was ein Ratsherr lateinisch verdolmetscht und ein Oberpraesident verdeutscht habe. Seither nahm der Austausch zu, der Mitte des folgenden Jahrhunderts in Boehmen sogar bosnische Muslime in preussischen Diensten als sogenannte Ulanen-Lanzenreiter einbezog.
Als Friedrich II. im Spaetherbst 1763 den ersten osmanischen Gesandten begruesste, war von der Tuerkenbegeisterung der Berliner die Rede, die auch Daniel Chodowiecki malerisch erfasste. Nach Tataren, Persern und Tuerken seien Mitte des 19. Jahrhunderts wieder Araber nach Brandenburg gelangt. Im Zuge der Reichsgruendung folgten Muslime als Lektoren, Studenten und Politiker.
In ein Weltkriegsdilemma geriet man in Deutschland, als man nun Grossbritannien und Frankreich den Einsatz "farbiger" Soldaten als "Kanonenfutter" vorwarf, jedoch man sich wenig spaeter mit OEsterreich-Ungarn und dem Osmanischen Reich als Verbuendeten auch Muslimen aus Afrika und Asien an die Seite gestellt sah. Zudem habe die deutsche Reichs- und Heeresleitung beabsichtigt, britisch, franzoesisch oder russisch beherrschte Voelker jener Regionen zu Umstuerzen gegen ihre Bedruecker anzuhalten. Muslime sollten den Heiligen Krieg, den Jihad, fuehren, zu dem der Sultan in Istanbul 1914 aufgerufen hatte. Ganz wenige, so stellt es Gerhard Hoepp heraus, stemmten sich oeffentlich gegen diese Jihadkriegsstrategie "made in Germany".
Das Auswaertige Amt bildete im November 1914 die Nachrichtenstelle fuer den Orient. Sie betrieb in engem Kontakt mit dem Generalstab ihre Propaganda, die sich gleichwohl auf die "orientalischen Hilfstruppen in feindlichen Fronten" richtete. Dazu zaehlten Flugblaetter fuer indische Muslime und Lautsprechereinsaetze. Spaeter habe aus dem Generalstab Hauptmann Rudolf Nadolny das vorhergesagte Fiasko jener Jihadstrategie eingeraeumt: "Ueberhaupt hatten wir mit der Propagierung des heiligen Kriegs wenig Glueck. Die islamischen Voelker beachten ihn kaum, obwohl er vom tuerkischen Sultan erklaert worden war."
Weil die Fahnenflucht von Gegnern eher selten vorkam, sei nach Kriegsbeginn die Idee entstanden, gefangene Muslime in Sonderlagern auf den Heiligen Krieg und den Eintritt in das osmanische Heer vorzubereiten, und zwar durch Kontrolle und geistige sowie religioese Fuersorge. Was dies konkreter hiess, erhellt Gerhard Hoepp in weiteren Kapiteln ueber Lager, Propaganda, Zeitungen, Moscheen, Friedhoefe und Nachkriegszeiten. Der Leser kann anhand der Lebensskizzen nachvollziehen, wie die Ausnutzung religioeser Gefuehle zu militaerischen Zwecken gewirkt hat. Das stellt der Verfasser behutsam dar. Sein respektables Werk sei allen empfohlen, die sich ueber Berlin-Brandenburg hinaus um Einsicht, Verstaendnis und Miteinander bemuehen.
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